Sei verletzlich und unperfekt

Kennst du diese Tage, an denen du am liebsten im Bett geblieben wärst, dein inneres Ego dich aber dazu angetrieben hat, aufzustehen, wie jeden Tag, um deine Liste mit gefühlten 100 To Do´s zu erledigen: die Kinder versorgen, dem Job nachgehen, den Haushalt nicht zu vergessen, nebenbei noch den Einkauf erledigen, Essen vorbereiten…, so dass schließlich am Ende des Tages das Fass überläuft, weil dein Mann oder dein Kind ein falsches Wort gesagt hat oder eine stinknormale Situation aus dem Ruder läuft, weil du einfach drüber bist?

Hättest du alles lieber etwas ruhiger angehen lassen, denkst du dir jetzt. Stattdessen hast du dein Happy Sunshine Face wie jeden Tag aufgesetzt, weil man es ja so von dir gewohnt ist, um am Ende des Tages wieder von deiner schlechten Stimmung eingeholt zu werden.

Mal ehrlich: Gute und schlechte Tage, kannst du dir nicht aussuchen und gehören dazu. Die Frage ist nur, wie damit umgehen?

Mein Vorschlag: Sei verletzlich und verdammt nochmal versuch nicht immer perfekt zu sein.

Verletzlichkeit ist keine Schwäche, wie du es dir vielleicht in dein Köpfchen eingehämmert hast, es ist der Wegweiser zu deinem Ich. Erst wenn du verletzlich bist, gibst du deine Ängste und deine Sorgen preis und zeigst somit dein wahres Gesicht. Sich jeden Tag aufs Neue zu erlauben nicht perfekt sein zu müssen, sich nicht zu kontrollieren, stattdessen authentisch und echt zu sein, ist der größte Schritt dich selbst anzunehmen, zu akzeptieren und lieben zu lernen.

Mir wurde schon so oft die Frage gestellt, ob „Wir Yogalehrer“ auch mal krank sind oder schlechte Laune haben? Hallo? Natürlich!

Ja ok, mein Immunsystem arbeitet seit dem ich regelmäßig Yoga praktiziere definitiv besser, und ja ich bin „seltener“ krank, aber natürlich sind „Wir Yogalehrer“ auch nur Menschen mit Gefühlen, Stärken und Schwächen, mit guten und schlechten Tagen.

Keine Frage, ich liebe meinen Job. Er gibt mir ein hohes Maß an Freiheit und ich bestimme selbst über das, was ich machen und ich nicht machen möchte. Aber ja, auch ich bin verletzlich und habe auch mal schlechte Laune, denn schließlich besitze auch ich ein Leben außerhalb des Yogastudios. Gerade was meine neue Aufgabe als werdende Mami angeht, habe ich Sorgen meinem kleinen Mini-Yogi-Girl in all ihren Bedürfnissen nicht gerecht zu werden. Und auch die Situation, durch meine Yoga-Baby-Pause mit wenig Geld auszukommen, sorgt dafür, dass mich Ängste und negative Gedanken heimsuchen und auch ich Tage habe, an denen ich mich am liebsten im Bett verkriechen würde.

Allerdings weiß ich inzwischen mit solchen Tagen umzugehen. Ich habe nämlich genau zwei Möglichkeiten: Ich kann aufstehen und sagen, ich bin heute nicht gut drauf, ich nehme meine schlechte Stimmung, meine Ängste und Sorgen an und richte mich wieder positiv aus, in dem ich mir zum Beispiel besonders viel Zeit für mich einräume, freundlich zu mir selbst bin, mich verwöhne und mir etwas Gutes gönne. Die zweite Möglichkeit wäre, dieses Gefühl am Morgen zu ignorieren, damit bloß niemand merkt wie es in mir wirklich aussieht, dann eine Maske aufzusetzen und mit dieser durch den Tag zu gehen, mit dem Resultat am Abend irgendwann von meiner schlechten Stimmung wieder eingeholt zu werden.

Viel zu viele Menschen entscheiden sich genau dafür. Schließlich ist es leichter sich hinter einer Happy Sunshine-Maske, Wichtig-Getue-Maske, Souverän-Maske, Ich-bin-stark-Maske, Spaßvogel-Maske, Mein-Leben-ist-perfekt-Maske and so on zu verstecken, statt sich verletzlich zu zeigen und sich seinen schlechten Tagen einzugestehen.

Aber ist dir eigentlich bewusst, wie viel unnötige Energie du damit verbrauchst? Du belügst nicht nur dein ganzes Umfeld, sondern noch viel schlimmer du belügst dich selbst und verlierst dabei deine Authentizität und somit dich selbst. Kein Wunder, dass irgendwann ein kleiner Tropfen das Fass zum überlaufen bringt und du völlig ausgebrannt bist oder schlicht weg ausrastest.

Warum tun wir uns das selbst an? Warum fällt es uns so schwer sich verletzlich und unperfekt zu zeigen?

Wahrscheinlich weil der soziale, gesellschaftliche und somit der innere Druck immer höher wird. Viel zu oft vergleichen wir uns mit anderen, statt sich auf sich selbst zu konzentrieren – „Wie sieht sie heute wieder aus? Warum bekommt er jetzt diese Prämie? Wie erzieht Sie ihr Kind? Warum hat Sie so viele Kunden/ Schüler?…“ Auch ich kann spüren, wie der Druck unter uns Yogalehrern immer stärker wird und das obwohl wir in einer Branche arbeiten, die das genaue Gegenteil verkörpern sollte. Jeder möchte seine Kurse voll haben und der Beste auf seinem Gebiet sein und somit Anerkennung und Respekt erhalten. Deshalb ist der Blick oft im Außen auf die Anderen ausgerichtet, statt bei sich selbst zu schauen – was definitiv die effektivere Ausrichtung wäre. Schließlich bekommst du das was du ausstrahlst auch wieder zurück. Auch ich habe mich anfangs viel zu sehr unter Druck gesetzt – statt in mich, in meine Persönlichkeit, zu vertrauen. Seit dem ich allerdings gelernt habe mich jeden Tag aufs Neue so anzunehmen wie ich bin, mit all meinen Ängsten und Sorgen, seit dem ich mein wahres Ich lebe – lebe ich ein erfülltest und glückliches Leben im tiefen Vertrauen, dass alles gut wird.

Deshalb zeige dich! Zeige auch du, wer du wirklich bist. Zeige dich verletzlich und auch mal unperfekt und mache dir bewusst, dass es völlig in Ordnung ist, nicht die ganze Zeit in Ordnung zu sein.

Comments 6

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  1. Wahre Worte liebe Svenja, ich wünsche Dir und mir und allen um uns herum viele gute Erkenntnisse/Erfahrungen beim Üben… <3 Ich kann nur sagen es lohnt sich 🙂

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